Body Farm


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Re: Das Feld der Leichen

Beitragvon ojenny » Mo 19. Jan 2015, 16:51

Ich schließe mich da Manfreds Meinung an.

Schließlich gibt es auch Menschen, die unglücklicherweise irgendwo in der Natur versterben und von niemandem begraben oder anders bestattet werden, sondern wie jedes andere Lebewesen einfach wieder in den Kreislauf der Natur eingehen.
(Und der ist auch nicht gerade "ruhig".)
Und auch bevor es besondere Bestattungsriten gab, sind Menschen irgendwo verstorben und verrottet. Auch wenn das für uns nicht schön klingt.

Es gibt ja die unterschiedlichsten Bestattungszeremonien, von Erd- über Feuerbestattung, Mumifizierung, in einem Boot "auf die Reise schicken" und Aufbahrung für die Aasfresser - oder auch Kannibalismus etc.

Ich für meinen Teil habe keine besonderen Vorstellungen darüber, was nach meinem Tod mit meiner Leiche, also meiner Hülle, geschehen soll.
Was ich aber nicht von meinen Lieben sagen kann! Meine Familienangehörigen würde ich nicht zum Verrotten im Wald liegen lassen.

Für mich sind Gräber und Beerdigungen für die Hinterbliebenen wichtig, nicht für den Verstorbenen selbst.
Aber das ist eben nur von meiner Warte aus gesehen.


Gruß,
ojenny :ciao:
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Re: Das Feld der Leichen

Beitragvon Parafreak » Di 20. Jan 2015, 01:04

--Hi Manfred, nein, es ist nicht nur auf den Christentum beschränkt, das stimmt nicht.
Klar wird in anderen Kulturen anders mit Verstorbenen umgegangen, aber es ist jedes Mal ein Ritual, in welcher Form auch immer.

--Hi ojenny, es gibt aber Belege von Bestattungen, also zum Bleistift für Urnenbestattung, also Verbrennen und Asche in die Urne, bis 750 v. Chr. Woher hast du jetzt diese Info, dass davor die Verstorbenen verrottet sind? Ich habe darüber jedenfalls nichts gefunden, kannst du hier bitte den Link mal dazu einstellen, vielleicht bin ich zu blöd, das alleine zu finden. Bitte, ich finde das interessant!
Du würdest deine Familie nicht einfach zum Verrotten in den Walt legen, und ich glaube echt, dass das auch 750 v. Chr. keiner wollte. Kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich lass mich gerne eines Besseren belehren,wenn du mich fragst!

Was die Aasfresser betrifft, damit meinst du bestimmt Dachma (Dakhmah). Aber auch da wurden (werden) die abgenagten Knochen in irgendeiner Form beigesetzt.

Bei Kannibalismus will ich den Kannibalismus zu Ernährungszwecken in extremen Notlagen mal ausschließen. Ansonsten entstand Kannibalismus aus einem Glauben heraus.
Zum Bleistift das Herz bei den Azteken für den Sonnengott, damit die Sonne jeden Tag neu ihren Lauf über den Himmel ausführen könne,
oder der rituelle Kannibalismus als Form der Bestattung im Menschen (den Geopferten oder den Verstorbenen in sich aufnehmen und so seine Wiederkehr verhindern),
oder dem Pietätskannibalismus, den Verwandten, sei es ein Vorfahre oder ein eigenes Kind, aus Respekt, Liebe oder Trauer würdevoll ehren, aber auch sicher verwahren
oder dem Angst-Kannibalismus, der bedeutet, den getöteten Feind am sichersten denkbaren Ort, in sich selbst, zu verwahren und so seine Wiederkehr verhindern,
oder dem magischen Kannibalismus mit der Vorstellung, dass Eigenschaften wie Kraft und Mut vom Opfer durch Verzehren auf den Esser übergehen,
oder dem justiziellen oder Gerichts-Kannibalismus (das Verspeisen von Verurteilten oder das Trinken ihres Blutes)
oder dem medizinischen Kannibalismus, bei dem man zum Bleistift glaubte, die vom Schöpfer dem jeweiligen Individuum zugemessene Lebenskraft nutzen zu können, wenn das Individuum vorzeitig, bevor Gott das an sich gewollt habe, getötet wurde. Regelmäßig versuchten deshalb Menschen mit Krankheiten, Körperteile eines Erhängten oder zu Tode strangulierten oder das Blut eines gerade auf einem Schafott Hingerichteten in Bechern oder mit Tüchern aufzufangen, um es zu sich zu nehmen, weil man z. B. glaubte, dass solches Blut gegen Epilepsie helfen würde, da die Gesundheit des Enthaupteten in den eigenen Körper übergehen würde.
Man hat übrigens bis ins 19. Jahrhundert geglaubt, dass man mit Fleisch und Blut von Verstorbenen Krankheiten heilen kann und sogar Dämonen austreiben kann, letzteres vor allem mit dem Fett. Fett galt als Trägermedium für übernatürliche Kräfte und so.
Berühmt waren „des Königs Tropfen“ des britischen Königs Karl II., der 6.000 Pfund für ein Rezept zur Verflüssigung menschlichen Hirns gezahlt hatte. Das daraus resultierende Destillat nahm der Regent fast täglich ein.
Gelehrte und Adlige, aber auch einfache Leute schworen auf die Heilkraft des Todes.
Und es wurden Körperteile von Hingerichteten pulverisiert und dann zu »Medizin« verarbeitet, sogar von approbierten, teilweise promovierten Ärzten verordnet und in Apotheken angeboten.

Nur mal so kurz (oder lang) erklärt. Aber ich glaube, eine Seele würde besser damit klarkommen, wenn ihre sterblichen Überreste direkt "verarbeitet" werden, als wenn sie einfach so im Wald auf dem Boden verrotten.
ojenny hat geschrieben:Ich für meinen Teil habe keine besonderen Vorstellungen darüber, was nach meinem Tod mit meiner Leiche, also meiner Hülle, geschehen soll.

Na dafür ist es doch auch noch viel zu früh!! :ciao:
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Re: Das Feld der Leichen

Beitragvon Serafina » Di 20. Jan 2015, 11:45

Hi!
:girldanke: Parafreak, das was du geschrieben hast, finde ich sehr interessant. Einiges kannte ich auch noch nicht.
Bestattungen - welcher Art auch immer - gab es schon immer. Ich habe mal gelesen, dass das älteste, aufgefundene Grab auf 50.000 v.Chr. datiert wurde.
Natürlich gab es in vielen Ländern auch die sogenannte Luftbestattung. Im Iran zum Beispiel wurden die Verstorbenen auf hohe Türme gelegt und somit den Vögeln zum Fraß überlassen. Später wurden dann die Knochen verbrannt.
Bei den Eingeborenen Nordamerikas (den Indianern) verlief es ebenso. Auch dort wurden die Toten auf hohe Holzgerüste gelegt, wobei jeder Stamm oder Clan seinen eigenen Friedhof hatte. Diese Stätten waren heilig!
Darin sehe ich auch nichts Gruseliges, denn es waren Rituale, die zur damaligen Zeit üblich waren und Verehrung ausdrückte.
Was mir an den amerikanischen Leichen nicht gefällt oder was ich schrecklich finde, ist diese Zurschaustellung, welche bei uns ja nun wirklich nicht mehr praktiziert wird.
Es ist kein Totenkult!
Und wer kann schon wissen, was mit der Seele passiert?

Ich gebe ojenny Recht, denn ich möchte solche Praktiken auch nicht für meine Familie oder engsten Freunde.
Und für mich selber käme das erst recht nicht in frage. Aber das muß schließlich jeder für sich entscheiden.
Hier in Europa gibt es derartige Forschungen ja wohl nicht!

Viele Grüsse von Serafina
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Re: Das Feld der Leichen

Beitragvon Freidenker » Di 20. Jan 2015, 15:04

Hallo,

so weit mir bekannt ist, ist das Gelände auf dem die Leichen bzw. deren Verwesungsformen beobachtet und untersucht werden, großräumig abgesperrt und nicht zugänglich. Ich hatte diesen Artikel auf der heftig-Seite gelesen und dort stand dabei, dass die Journalisten eine Sondergenehmigung hatten, um diesen Ort aufsuchen zu dürfen.

Hier sind noch ein paar Informationen dazu:

Mir fällt auf, dass sie schwarze Arbeitsanzüge tragen, was ich nicht für einen Zufall halte.

www.youtube.com Video From : www.youtube.com




"Vor knapp 25 Jahren bewilligte die US-amerikanische Universität von Tennessee dem forensischen Anthropologen Dr. Bill Bass eine ungewöhnliche Forschungseinrichtung: Die Anthropology Research Facility - in Tennessee besser bekannt als die "Body Farm". Mehr als 400 Leichen lagerten dort bislang zu Forschungszwecken. Durch Untersuchung der toten Körper gewinnen Dr. Bass und sein Team wichtige Erkenntnisse über die Todesumstände selbst stark verwester Leichen - entscheidende Faktoren bei der Aufklärung von Morden."

Aus youtube.de, eingestellt von Saul Goodmann

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
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Re: Das Feld der Leichen

Beitragvon ojenny » Di 20. Jan 2015, 16:58

Hi Freaky,
ich rede doch auch nicht von 750 vor Christus - eher von 7500 oder noch eher.
(So von damals, als wir von den Bäumen herunterkletterten und beschlossen,
Menschen zu sein.) :01de6b1136:

Gruß,
ojenny :ciao:
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Re: Das Feld der Leichen

Beitragvon Serafina » Di 20. Jan 2015, 18:52

Hallo? ... liebe ojenny, sind wir denn von den Bäumen runtergeklettert?
:1244: Kamen wir nicht mit Fellumhang und Feuerstein aus dem All?

:88n: Serafinchen
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Re: Das Feld der Leichen

Beitragvon Jens » Mi 21. Jan 2015, 02:41

Hallo

das älteste erhaltene Grab wurde in Qafzeh, Israel,gefunden und ist etwa 100.000 Jahre alt, soweit ich weiß.
Es ist abgesehen davon für mich völlig verständlich und logisch, dass Menschen mit verstorbenen Angehörigen immer schon ihrer Kultur entsprechend gut umgegangen sind.

Aber auch wenn wir die Tiere ansprechen, gebe ich zu bedenken, dass auch Tiere trauern.
Beispielsweise habe ich hier einen interessanten Artikel dazu:

*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

…. bei dem ich den letzten Satz sehr bemerkenswert finde:
"Es ist ein Irrtum, dass die Natur ein egoistischer Kampf ums Leben ist. Die meisten Säugetiere überleben nicht, indem sie einander im Kampf ausstechen, sondern durch Kooperation, Fürsorge und Teilen."

Hallo Freidenker, danke für den Film dazu. Er ist sehr interessant, vor allem die Berechnung in Gradtage. Somit muss man nur für die Temperaturen der verschiedenen Länder umrechnen. Und nach 1.250 Gradtagen ist die Verwesung abgeschlossen und die Leiche skelettiert. Interessant. Man lernt ja nie aus.

Der Zeitraffer in der 31:23 min, wie die Bakterien im Bauchraum den Bauch aufquellen lassen und wie er dann wieder zusammensinkt hat mich umgehauen.
Wie sich die Haut verfärbt und so weiter. Dies im Zeitraffer zu beobachten!

Und dass auch Spürhunde dort auf das Auffinden von Leichen trainiert werden, finde ich bemerkenswert. Ich dachte immer, dass man einem Hund einfach ein Stück Kleidung etc. des Gesuchten oder vermeintlich Ermordeten vor die Nase hält und er denjenigen an dessen Geruch aufspüren kann.
Aber sie werden tatsächlich anhand der Leichen geschult. Eigentlich auch logisch, denn bei Gelände- oder Berg(werk)-Verschüttungen suchen diese Hunde ja generell nach Verunglückten und auch Leichen, ohne vorher ein Kleidungsstück von ihnen erschnüffelt zu haben. Und ich finde es bemerkenswert, dass diese Leichen-Aufspür-Hunde beim Auffinden einer Leiche darauf trainiert werden, sich daneben oder davor hinzulegen, anstatt anzuschlagen.
Und wie die Hundetrainerin es beschreibt: Dass sich beim Schnüffeln während der Suche der Atem des Hundes verändert, wenn er etwas aufgespürt hat. Sie sagt er höre dann kurz auf zu atmen, um das, was er riecht, sozusagen zu inhalieren, um den Geruch zu analysieren.

Eine wirklich sehr interessante Sache, Parafreak!

Abschließend möchte ich sagen, dass es mir lieber wäre, wenn man keine Verschütteten, tote Gewaltopfer und überhaupt eines unnatürlichen Todes verstorbenen Menschen aufspüren müsste, um deren Todesursache und Todeszeitraum zu untersuchen, besser wäre es, wenn niemand ein Unglück oder Verbrechen mit Todesfolge erleiden müsste! Ich wünsche es niemanden!
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Re: Das Feld der Leichen

Beitragvon 1JFMKUD2 » Mi 21. Jan 2015, 11:23

Hallo,

nein, das möchte ich auch keinem wünschen.
Es gilt einzig als natürlicher Tod, wenn man alt ist und selig vom Schlaf aus in den Tod übergleitet. Alles andere gilt als unnatürlicher Tod und ich habe gehört, dass sich sogar im Altenheim die Kripo und Staatsanwaltschaft darum kümmert, wenn ein alter Bewohner nicht im Bett verstirbt.

Aber das, was ihr von den unterschiedlichen kulturabhängigen Ritualen schreibt, das meinte ich. Die Menschen haben ihre Verstorbenen nicht schon immer mit einem Gebet in Gottes Hände gelegt. Ich finde unser heutiges Ritual zwar gut, aber es war ja nicht immer so.
Dass die Menschen aber ihren Möglichkeiten entsprechend gut mit ihren Toten umgingen, glaube ich auch.

Das Gehirn, die Technik, die Globalisierung und dementsprechend alle weiteren Entwicklungen haben sich weiterentwickelt, aber das Innenleben der Menschen nicht, also die Gefühle nicht.
Der Mensch hat früher die gleichen Gefühle gehabt wie wir heute und man unterschätzt das manchmal. Man kann sich oftmals ja gar nicht vorstellen, dass der eigene Opa mal verliebt war.

Demnach ist es vielleicht für einige auch unvorstellbar, dass Menschen in frühster Zeit, sagen wir mal vor 100.000 Jahren genau die gleichen Gefühle hatten wie wir heute. Sie fühlten Verliebtsein, Liebe, Eifersucht, Trauer, genau wie wir heutzutage. An der Gefühlswelt des Menschen hat sich nichts geändert.

Und ich finde es gut in diesem Zusammenhang, dass du, Jens, auch auf die Gefühle der Tiere zu sprechen kommst. Es ist für mich auch korrekt, dass Tiere ebenfalls Gefühle haben.
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Re: Das Feld der Leichen

Beitragvon Parafreak » Do 22. Jan 2015, 00:33

Hi Freidenker, die beiden Filme sind klasse dazu. Hab ich gar nicht gesehen!
Klar haben Tiere auch Gefühle, ich versteh Leute nicht, die das in Frage stellen, aber ich glaube, die Kirche ist eine der 1. Stellen, die das in Frage stellen,oder besser, den Tieren eine Seele absprechen.
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Re: Das Feld der Leichen

Beitragvon Strg F » Do 22. Jan 2015, 12:13

Hallo, ja die gute alte Kirche hinkt der Realität mitunter etwas hinterher. Für mich ist auch klar, dass Tiere eine Seele haben und es ist m.E. eine Dreistigkeit und menschliche Überheblichkeit, es ihnen abzusprechen.
Was du da schreibst Manfred, stimmt mich nachdenklich. Man denkt wirklich oft, dass die Menschen früher komplett anders waren, aber irgendwie stimmt das gar nicht. Die Gefühle sind immer gleich bei Menschen, sagst du. Und immer schon gewesen. Weißt du was? Du hast Recht!

Ansonsten glaube ich, dass man diese Bilder von den Leichen unheimlich findet weil es Menschen sind und man sich automatisch mit ihnen identifizieren kann.
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